Spiritueller Impuls in der Fastenzeit: Die Kraft des Loslassens

Minimalismus und der Trend, nicht benötigte Dinge „auszumisten“, ist zurzeit ein viel diskutiertes Thema. Die Bestsellerlisten im Sachbuchbereich sind gespickt mit Ratgebern, die uns die japanische Art des „Weniger ist Mehr“ ebenso nahebringen wollen wie die Kunst des Minimalismus, bei dem man mit 100 Dingen im Leben auskommt.

Als ich mit meiner Familie 2009 nach Boston, USA umzog, machten wir uns auf den Weg mit 8 Koffern. In den ersten Tagen und Wochen hatten wir kaum Möbel, unsere Matratzen lagen auf dem Boden und wir hatten jeden Tag ein improvisiertes Picknick. Es war einfach herrlich. Wir hatten keinen Ballast, die Zimmer waren nahezu leer und es gab nichts, was man stundenlang aufräumen musste.

Nach 6 Jahren in den USA ging es dann zurück nach Deutschland. Dieses Mal nicht mit nur 8 Koffern, sondern 2 Autos, die bis zum Rande gefüllt waren mit all den Dingen, die sich in diesen 6 Jahren angesammelt hatten.

Und ich stellte mir bei diesem Umzug wieder die Frage: was ist eigentlich wirklich wichtig?

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Und diese Frage stelle ich auch jetzt wieder, in der Fastenzeit, in der viele von uns sich auch etwas aussuchen, dass sie loslassen wollen. Bei einigen sind es Süßigkeiten, andere versuchen die Zeit auf dem Handy einzuschränken und wieder andere nehmen sich vor, in diesen Wochen achtsamer zu leben.

Wie ist das bei Ihnen? Was sind die Dinge, an denen Sie festhalten obwohl es viel besser wäre, Sie loszulassen?

Kurze Stille

Denken wir Loslassen auch einmal in die andere Richtung: welche Dinge brauche ich in meinem Leben? Welche Beziehungen sind mir wichtig? Welche materiellen Besitztümer? Welche Hobbies? Welche Aktivitäten?

Kurze Stille

Loslassen hat viel mit unserer Seele zu tun, mit dem, was wir in unserem Leben erlebt haben. Einige von uns haben schmerzhafte Erfahrungen gemacht, die sie wie eine Last auch heute noch mit sich herumtragen. Wir erleben Enttäuschungen und Verletzungen und unsere Seele vergisst diese nicht einfach. Wir entsorgen diese Gefühle nicht wie eine Jacke, die wir aussortieren und zur Kleiderkammer bringen. Schmerz, Wut, Enttäuschung und Verletzungen loszulassen ist die größte Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Aber genau dieses Loslassen befreit uns und unsere Seele. Und macht Platz für Neues.

Und auch Jesus rief seine Jünger zum Minimalismus auf, als er sie aussandte:

Und er trug ihnen auf, dass sie nichts mitnehmen auf den Weg,
nur einen Stock, aber kein Brot, keine Vorratstasche,
kein Geld im Gürtel, sondern Sandalen untergebunden, und:
Zieht nicht zwei Untergewänder an.

(Mk 6,8-9)

 Abschluss:

Loslassen bedeutet größere Freiheit. Es schafft Platz – in unseren Wohnungen und Häusern, in unserem Terminkalender und in unserer Seele. Wir atmen durch, wenn wir einen Raum von seinem Ballast befreit haben. Und so geht es auch unserer Seele.

Gebet:

Wenn du im gelassenen Zustand lebst,
am Vergangenen nicht mehr zu hängen,
das Zukünftige nicht mehr herbeizusehnen,
dann hast du Vergangenheit, Zukunft, Erinnerungen und ehrgeizige Träume losgelassen.
In diesem Loslassen liegt die Lösung aller unserer menschlichen Probleme,
die uns so oft bedrücken und beschweren.
In diesem Loslassen liegt Gelassenheit und Geborgenheit, also die Freiheit von Angst.
Dann ist Liebe möglich - und zwar selbst zu lieben -
und nicht ehrgeizig danach zu streben, geliebt zu werden.

(Peter Lauster)

Segen:

So begleite uns in diesen Tag der Gott, der uns Sicherheit gibt
Der uns so liebt, wie wir sind und der uns Raum zum Atmen gibt in seiner Gegenwart
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

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